Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Viele Wege zum Glück

 

Wie in anderen Ländern der Jahreswechsel gefeiert wird

 

Landkreis Schweinfurt (ul) Kein Silvesterabend ohne Musik, knallende Sektkorken und Feuerwerk; Lärm gehört zum Jahresende wie die Nacht zum Tage. Über 100 Millionen Euro jagten die Deutschen beim Jahreswechsel 2008/2009 in die Luft. Ungeachtet der Aufrufe von Kirchen und anderen sozialen Aktionen, die „Brot statt Böller“ forderten.

Um den Jahreswechsel rankt sich ein reiches Brauchtum. Dabei denkt heute wohl niemand mehr an das Vertreiben von bösen Geistern, wenn die Knaller hochgehen und die Raketen in die Luft fliegen. Dies aber war einst der Grund für den Lärm. In lärmenden Umzügen mit Trommeln, Schellen und Peitschenknallen wurden Dämonen vertrieben. Und dies anscheinend weltweit.

Gunter Barf (Schwebheim) erinnert sich an die Feier in Rumänien. „Eigentlich war es ungefähr so wie hier“, meint er. Die Deutschen hätten in kleinen Gruppen gefeiert, die man „Kränzchen“ nannte. Um Mitternacht sei man dann in die Kirche gegangen. Mit Glockengeläute und Blasmusik habe man das neue Jahr begrüßt. In den rumänischen Familien sei ähnlich gefeiert worden, erinnert sich Barf, allerdings habe dort das Essen eine wesentlich größere Rolle gespielt, es wurde hochwertig gekocht und viel gegessen, mindestens vier bis sechs Gänge. Außerdem sei die rumänische Bevölkerung sehr abergläubisch, so durfte man am 31. nichts aus dem Haus tragen, nicht einmal den Müll, sonst würde das Haus im kommenden Jahr leer bleiben. Grimmig maskierte Menschen vertreiben nachts mit viel Lärm die bösen Geister und das „Spiel der Ziege“ ist verantwortlich für eine gute Ernte und Zuwachs in den Herden. Um Mitternacht wird die Eingangstür des Hauses weit geöffnet, damit das alte Jahr gehen und das neue einziehen kann. Wer reich werden will, trägt zu dieser Stunde auch viel Geld mit sich.

In der Türkei ist fast jeder am Silvesterabend ein potentieller Millionär. Ayfer Endres (Gochsheim) erzählt, dass in ihrer Heimat das Glücksspiel eine große Rolle spielt. Eine Woche vor dem Jahreswechsel kaufen sich 99 Prozent der Türken ein Los, die Gewinner werden in der Neujahrsnacht gezogen und das Ergebnis im ganzen Land im Fernsehen und in den Städten auf großen Leinwänden übertragen. Die Familien treffen sich traditionell zum Gansessen, dann gehen die Jungen aus, in Kneipen und auf der Straße wird gefeiert, und viele hoffen, als Millionäre ins neue Jahr zu starten.

Auch in Italien unterhalten sich Familienmitglieder und Freunde in der Silvesternacht gerne mit Glücksspielen. Carmino Trovacelli (Gerolzhofen) erinnert sich an Tombolas und Kartenspiele, mit denen man sich in seiner Heimat in den Abruzzen die Zeit vertrieb. Dazu gab‘s heiße Maroni. Viele Freunde und eine große Familie feierten mit. Sonst, meint er, unterscheide sich Italien kaum von Deutschland, Silvester heiße „essen, trinken und schießen“.

Dimitria Schizogiannis (Schwebheim) stammt aus dem Dorf Arta im Westen von Griechenland. In ihrem Dorf spielte der Silvesterabend keine große Rolle, Brauchtum wurde am Neujahrstag gepflegt. An diesem Tag sollte ein junges Mädchen mit dem rechten Fuß voran als erste das Haus betreten, das brachte Glück. Am Morgen besuchten alle die Kirche und mittags dann die Verwandtschaft und die Freunde. Später traf man sich in den Cafeterias. Dann ging es auf den Marktplatz, wo ein Feuer brannte, man Glühwein trank und seine Glückwünsche überbrachte, indem man grüne Olivenbaumblätter ins Feuer warf.

Muttucumara Naguleswaran (Schweinfurt) kommt aus dem Norden von Sri Lanka. Ihn macht Silvester „jedes Jahr ein bisschen traurig“. In seiner Heimat, meint er, werde auch nur noch sehr verhalten gefeiert. Erst habe man unter dem Krieg gelitten und dann sei vor fünf Jahren der Tsunami gekommen. „50000 katholische Leute sind gestorben“, erinnert er sich. Früher habe man mit Familien und Freunden und viel Palmirawein gefeiert, jetzt aber sei dazu keinem mehr zumute.

Auch der Perser Shafie Morteza (Schonungen) hat eigentlich keinen Grund zum Feiern. Sein Neujahrsfest ist nämlich erst am 21. März. In den persischen Ländern ist seit dem 1. Jahrhundert vor Christus die Frühlings Tag- und Nachtgleiche der offizielle Jahresbeginn, dann aber wird gleich 13 Tage lang gefeiert, sogar die Betriebe schließen sieben Tage. In Teheran, der Heimatstadt von Shafie Morteza, beginnen die Feierlichkeiten mit einem großen Feuerwerk drei Tage vor dem Neujahrstag. Am Silvesterabend gibt es traditionell Fischspezialitäten, es gibt auch Alkohol, aber der „muss heimlich getrunken werden“, lacht der Iraner. 12 Tage lang besuchen sich Familienangehörige und Freunde gegenseitig, am dreizehnten Tag dann wird zuhause gekocht und alle treffen sich im großen Park zu „einer großen Party draußen“.