Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Ökumene auf dem Weg

Seit 1994 gehen Schwebheims Christen gemeinsam ihren ökumenischen Kreuzweg

ÖkukreuzSCHWEBHEIM (ul) „Zu den Quellen des Lebens, hieß unser Thema und es schüttete was nur ging.“ Gerda Ludwig erinnert sich an den ersten ökumenischen Kreuzweg. Eine Station war der Unkenbach, wo einer der Mitarbeiter eigentlich hätte Wasser schöpfen wollen, aber es war so glitschig, dass er beinahe in den Bach gefallen wäre. 1994 riefen die Christen der beiden Kirchengemeinden diesen etwas anderen Kreuzweg ins Leben und trotz des feuchten Starts lebt er bis heute.

Jährlich in der Fastenzeit machen sich evangelische und katholische Gläubige auf einen gemeinsamen Weg durch das Dorf. „Anfang startete jeder in seiner Kirche und wir haben uns dann mit den Kerzen in der Hand aufeinander zu bewegt“, erinnert sich Ludwig, „das war ein tolles Bild, spürbare Ökumene“.

Dieser Brauch, aufeinander zuzugehen und dann gemeinsam weiter, hat sich nach einigen Jahren geändert. Heute beginnen alle gemeinsam in einer Kirche, gehen kreuzförmig durchs Dorf und beenden den Weg im Gotteshaus der anderen Gemeinde. „Wir müssen jetzt nicht mehr aufeinander zugehen, sondern miteinander gehen“ begründet Hanne Peetz diesen Schritt. Die Stationen im Dorf, an denen die Anliegen der Menschen vor Gott getragen werden sind unterschiedlich. Schule, Friedhof, Unkenbach, Bildstock, jeder Platz eignet sich um innezuhalten, nachzudenken und zu beten. Nur die Hauptstraße wird gemieden, „das war einfach zu laut“ erinnert sich Peetz“. Die einzelnen Wegabschnitte würden nämlich schweigend zurückgelegt und da störten die vorbeifahrenden Autos

Ökukreuz (5)Gemeindereferentin Gertrud Pfister kam vor vier Jahren nach St. Hedwig und hat dort gleich eine gelebte Ökumene vorgefunden. Sie ist begeistert: „Hier geht alles total gemeinsam, es gibt keine Probleme, was wir miteinander machen können wir guten Gewissen gemeinsam tun.“

Ganz so einfach waren die Anfänge allerdings nicht. Gerda Ludwig und Hanne Peetz erinnern sich, dass vor allem aus der evangelischen Gemeinde Gegenwind kam. Ein Kreuzweg war vielen zu „katholisch“, das Ritual von Wegen und Prozessionen zu unbekannt. „Dabei haben wir doch in beiden Kirchen unser Kreuz zu tragen“, meinen beide schmunzelnd. Aber das sei inzwischen längst kein Thema mehr stellen sie dann übereinstimmend fest.

Auch Erwin Winter ist ein Mann der ersten Stunde und Mitbegründer der Ökumene in Schwebheim. „Mir liegt das Miteinander sehr am Herzen“, meint er und begründet: „gerade in der heutigen Zeit müssten die Kirchen zusammenhalten, suchen was gemeinsam ist und nicht das was uns trennt.“

Dem stimmt auch Werner Dietmar zu. „Das, was wir dürfen, müssen wir auch ausschöpfen. Die Kirchen müssten ein sichtbares Zeichen für die Ökumene setzen.“

Ein weithin sichtbares Zeichen sind die ca. 40 Christen, die sich in der Dämmerung mit ihren Kerzen auf den Weg machen. Und höchste Anerkennung haben sie auch schon bekommen. Weihbischof Ulrich Boom lobte diese Initiative bei einem Besuch in der Gemeinde besonders, erzählen die Teammitglieder. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob sich auch andere Gemeinden und Gruppen von diesem Beispiel anstecken lassen. „Vor zwei Jahren war eine ganze Gruppe aus Weyer dabei“, erzählt Gertrud Pfister, „die wollten eigentlich auch heuer wieder kommen.“ Gekommen sind zwei davon, die am Wegrand standen und von der Gemeindereferentin gleich freudig begrüßt wurden und einen Liedzettel in die Hand gedrückt bekamen.