Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Männerdomäne erobert

Gudrun Möllner ist der erste weibliche Siebener im Landkreis

7erFrau (9)STAMMHEIM (ul) „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst, ein Mädchen kann das nicht“, sang 1975 schon Juliane Werding. Und spätestens seit der Einführung des Allgemeinen Gleichberechtigungsgesetzes dürfen zumindest in der EU bei der Auswahl von Bewerbern keine Unterschiede mehr nach Geschlechtern vorgenommen werden. So machen in klassischen Männerberufen wie Soldat, Feuerwehrmann, Kraftfahrzeugmechaniker längst auch Frauen Karriere. Dennoch halten sich einige Männerbastionen, und das nicht nur in der katholischen Kirche.

Im Landkreis Schweinfurt fiel eine dieser Männerdomänen vor drei Jahren. Am 28.4.2007 wurde mit Gudrun Moller die erste Frau unter den über 800 Feldgeschworenen vereidigt. Von den Siebenern in Stammheim war einer gestorben und die restlichen Sechs trafen sich, um nach einem Nachfolger Ausschau zu halten. Obmann Albin Moller erinnert sich. „Der Landrat hat schon drei Jahre vorher gesagt, dass er auch nichts dagegen hätte, wenn mal eine Frau dazukäme“, und auch Kreisobmann Rudolf Bandorf hatte schon sein Einverständnis signalisiert. Also suchten die Siebener nach einer Frau, die möglichst zuhause arbeitet, ehrlich und verschwiegen ist und einen guten Leumund hat. „Wir haben uns gesagt, wir brechen sie jetzt, diese alte Tradition“, erinnert sich Albin Moller. Sie wollten die ersten im Landkreis sein, die Landrat Harald Leitherer einen weiblichen Siebener bescheren.

Als Gudrun Moller erfuhr, dass die Wahl auf sie gefallen war, war sie erst einmal „total überrascht“ und bat sich Bedenkzeit aus. Aber „wenn sich sechs Männer für eine Frau entscheiden, dann kann man doch nicht Nein sagen“, meinte sie, das sei doch eine Ehre. Und so setzt und sichert sie nun Grenzsteine und sucht nach überwachsenen Markierungen. In ihrer Stammheimer Gruppe fühlt sie sich wohl, alles läuft gut. Und wenn es draußen in der Flur schwere körperliche Arbeit gibt, dann übernehmen die die Männer, aber damit hat Gudrun Mollner kein Problem, denn „bei älteren Siebenern, die nicht mehr so zupacken können, machen das ja auch die Jungen“. Außerdem ist sie schwere körperliche Arbeit gewohnt, schließlich arbeitet sie im Weinberg und im Obstanbau, da müssen auch Löcher gegraben werden. Ihr Obmann Albin Moller kann sich auch kaum etwas vorstellen, „was die Gudrun nicht kann“. Ihr traut er durchaus auch zu, dass sie selbst Grenzsteine versetzen kann.

7erFrau (12)Die Reaktionen in der Feldgeschworenen-Gruppe Schweinfurt Süd aber war dann doch unterschiedlich. Bei der Versammlung der Obmänner hat gleich einer gefragt, ob wir denn keine Männer mehr hätten, erzählt Albin Moller. Und auch das alte Vorurteil, dass Frauen kein Geheimnis für sich behalten könnten, wurde ins Feld geführt. Aber dem widersprach Moller, schließlich wurden auch vorher immer schon mal Männer abgelehnt, „weil sie’s Maul nicht halten können“.

An den Tag ihrer Vereidigung erinnert sich Gudrun Moller noch gut. Ein bisschen flau war ihr anfangs schon, aber „wenn da in einer Kirche so 200 Männer anfangen zu singen – also das hat mich begeistert“. Außerdem weiß sie noch heute genau, was stellvertretender Landrat Paul Heuler den frisch Vereidigten ins Stammbuch schrieb: „Ihre wichtigste Aufgabe ist: Achte auf das Hab und Gut deiner Mitmenschen!“ Glücklicherweise ist sie ja auch nicht die einzige Frau, es gibt ja noch die Ehrenjungfrauen und einige Politikerinnen.

„Nach der Vereidigung ist ein älterer Kollege auf mich zugekommen und hat gesagt: Dass ich das noch erleben darf, eine weibliche Feldgeschworene“, erinnert sich Gudrun Moller. Die Reaktionen, die bei ihr direkt ankamen, waren eher positiv. „Respekt, dass du das machst“, hieß es da beispielsweise. In der Gemeinde selbst wurde ihre Wahl als etwas ganz Normales angesehen, es gab keine großen Diskussionen und auch die eigene Familie hat es fraglos akzeptiert. Allerdings hat Gudrun Mollner auch die kritischen Stimmen nicht überhört. Beim ersten Siebenerfest nach ihrer Vereidigung hat einer der Feldgeschworenen seinen Stammheimer Kollegen gefragt: „Na, wie viele Herzinfarkte hat’s denn bei euch schon gegeben?“ Ein anderer betonte: „Solange wir noch Männer haben, kommt bei uns keine Frau.“. Für Gudrun Moller sind diese ewig Gestrigen kein Problem, sie findet das „überhaupt nicht tragisch“, denn in ihrer Gemeinde gibt es nur „angenehme Siebener“. Das ist für sie auch das Schönste an ihrem traditionsreichen Ehrenamt, „die Einigkeit unter uns Siebenern und dass ich als Frau akzeptiert werde“.

Obmann Albin Moller kann sich auch durchaus mehr Frauen in diesem Amt vorstellen. Und das wird vielleicht auch so kommen, denn Männer sind für dieses Amt schwierig zu finden, weiß der Leiter des Vermessungsamtes Uwe Wagner. „Früher gab es viele Landwirte, die waren jederzeit verfügbar“, erklärt er, aber durch den Wechsel im Berufsalltag sind jetzt die wenigsten Männer tagsüber zuhause und einsatzfähig. „So leidet ein altes Ehrenamt an der gesellschaftlichen Entwicklung“, meint Wagner. Aber auch die Gleichberechtigung unter den Geschlechtern ist eine gesellschaftliche Entwicklung und die könnte den Mangel an Siebenern, der in einigen Landkreisgemeinden bereits herrscht, durchaus ausgleichen.