Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Lust auf gesunde Ernährung?

Kochkurs für junge Mütter

Kochen (4)SCHWEINFURT (ul) „Eigentlich ist die Werbung doch ein Frechheit.“ Oxana Edward ist nicht die einzige, die von der Würfelzuckeranalyse von Diätassistentin Heike Gock beeindruckt ist. Auch die anderen Mütter staunen, dass in der als ach so gesund angepriesenen Milchschnitte vier Stück Würfelzucker stecken, dafür aber kaum Milch.

Die jungen Mütter besuchen ein Pilotprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Jacqueline Köhler vom Netzwerk junger Familien im Amt für Landwirtschaft hat eingeladen. Der Kurs „Ich erobere den Familientisch“ will bei Eltern das Bewusstsein für gesunde Ernährung für sich und ihre Jüngsten wecken und stärken. Dazu gibt es viele Tipps, Rezepte und Informationen rund um den Bereich der Ernährung. Eigentlich, so Köhler, wollte man eher sozial benachteiligte Frauen ansprechen. Aber es sei wie immer und überall, meint sie: „Es kommen die, die es am wenigsten brauchen.“

Antje Omert ist Ökotrophologin, sie hat neben den Ernährungs- auch wichtige Erziehungstipps. „Unseren Kindern ist ein normales Essverhalten angeboren. Der Fehler von uns Erwachsenen ist, dass wir darauf Einfluss nehmen“, ermahnt sie die Mütter. Eindringlich warnt sie davor, irgendetwas Essbares zu verbieten, denn das werde dann erst richtig interessant. Omert hat selbst Kinder und teilt ihre Erfahrungen mit den anwesenden Müttern. „Bei uns gibt es eine Schachtel mit Naschereien, aber die Kinder wissen, bevor sie etwas daraus nehmen, sollen sie erst etwas Gesundes essen.“ Das führe häufig dazu, dass die Kinder nach einem gesunden Apfel beispielsweise gar keinen Appetit mehr auf Naschereien hätten.

Auch das Einkaufen mit den Kleinen ist ein Thema. „Der Ort an der Kasse ist die reinste Verführung“, beschwert sich eine Mutter. Heike Gock macht ihr Mut: „Einkaufen mit Kindern muss geplant werden. Und es braucht vor allem elterliche Konsequenz.“ Omert bestärkt: „Ein tobendes Kind im Supermarkt hat wohl jede schon einmal erlebt. Aber lassen sie sich von den vielen Miterziehern, die dann plötzlich auftauchen, nicht beeinflussen.“

Kochen (6)Dann machen die beiden Referentinnen deutlich, dass Fertigbackmischungen nicht nur ungesünder, sondern auch teurer sind, so kostet eine Muffin- Fertigbackmischung letztlich 2,55 Euro, das Gleiche von Anfang an selbst gemacht nur 1.62 Euro.

Auch wenn nicht die eigentliche Zielgruppe gekommen ist, die Mütter, die da sind, nehmen viel mit nach Hause. Anne Nieger beispielsweise kam, weil ihre zweijährige Tochter „so schlecht gegessen hat“. Sie erhoffte sich Tricks, sie zum Essen zu motivieren. Aber ihr Blick für das Kind wurde geschärft, heute weiß sie, dass die Kleine viel zu viel Kakao getrunken und deshalb keinen Hunger mehr hatte. Außerdem hat sie viele gesunde Nudelsoßen-Rezepte mitbekommen, die ihrer Tochter sehr gut schmecken.

Jana Wolf ist bekennende Slow-Fooderin, zusätzlich kocht sie leidenschaftlich gerne. Ihre zehn Monate alte Tochter wurde lange gestillt, bekam dann selbstgekochten Brei und soll jetzt „zum Familientisch geführt werden“. Sie findet „das Konzept super“. Nach der Theorie sind die Mütter in der Küche und probieren die neuen Rezepte aus: Reis-Eintopf mit Huhn oder Kartoffel-Gurken-Eintopf mit Fisch. Sie kennen die Ernährungspyramide: viel Gemüse, Salat und Obst, etwas weniger Brot, Getreide und Beilagen, mäßig Fleisch, Wurst, Fisch, Ei und Milchprodukte, wenig Fette und Öle und noch sparsamer Süßes.

Kochen (2)„Zum Teil habe ich das schon gewusst“, meint Nicole Steinmetz, aber dass Kinder gar nicht so viel essen sollen, das war ihr neu. Jetzt kennt sie das Handprinzip: eine Portion entspricht dabei einer Handvoll und Kinderhände sind klein. „In den Babygläschen ist da ja oft schon viel mehr“, stellt sie erstaunt fest. Antje Omert ruft noch einmal ins Gedächtnis, dass das Erziehungsprinzip der Kriegs- und Nachkriegsgeneration „der Teller muss auf alle Fälle leergegessen werden“ heute nicht mehr gilt. „Zwingen sie ein Kind nie zum Essen!“, mahnt sie und erklärt, dass es ganz normal ist, wenn die Kinder mal mehr und mal weniger Hunger haben. Erschreckend findet Nicole Steinmetz, wie viel Zucker in Naschereien wirklich vorhanden ist. Ihr Sohn ist elf Monate alt und sie ist dankbar für die Informationen. „Zum Glück haben wir das gelernt, bevor die Kinder so etwas bekommen.“