Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Lernen macht plötzlich Spaß

23 –Jährige fasst am Bayernkolleg neuen Mut

Manu (6)SCHONUNGEN (ul) „Den Quali habe ich nicht gemacht, weil ich zu faul zum Lernen war“, erinnert sich Manuela John. „Das bereue ich heute zutiefst“, kommentiert sie ihr damaliges Verhalten. Aber die 23-Jährige hat es dennoch geschafft die Ladentheke mit der Studierstube zu tauschen. Sie bereitet sich auf das Abitur vor. Der Weg dahin allerdings war steinig.

Eine Laufbahn als Einzelhandelskauffrau hätte sie nach der Hauptschule interessiert, aber schnell musste sie feststellen, dass die meisten Lebensmittelketten dafür Mittlere Reife oder gar Abitur verlangten. Mit ihrem Hauptschulabschluss war sie chancenlos. In einem Familienbetrieb, einer Metzgerei, bekam sie endlich einen Ausbildungsplatz als Fleichereifachverkäuferin. Manuela John erinnert sich mit Schrecken. „Jeden Tag wurde ich beleidigt und fertig gemacht. Man hat mich spüren lassen, dass ich nicht zur Familie gehörte.“ Kurz vor der Zwischenprüfung schnitt sie sich in den Daumen, so dass sie in der Handchirurgie in Bad Neustadt aufgenommen werden musste. Während sie noch im Krankenhaus lag, bekam sie einen Brief von der Handwerkskammer. Ihre Chefin wollte wegen „betriebswirtschaftlicher Probleme“ die Auflösung des Ausbildungsvertrages.

Die Auszubildende stimmte zu, aus Angst „danach wäre alles nur noch schlimmer geworden.

Ein halbes Jahr lang bekam sie Arbeitslosengeld und wurde vom Arbeitsamt in verschiedensten Praktika geschickt. „Ich kam mir da überall sehr fehl am Platz vor“, erinnert sie sich. „Ich wollte ja eigentlich was machen.“ Dann hat sie sich selbst bei der Agentur für Arbeit für einen der Kurse die zum Qualifizierten Hauptschulabschluss führen beworben. Ihr Berufsberater sagte damals, „das bringt eh nichts bei dir“. Ein anderer Berater allerdings gab ihr die Chance und sie schaffte ihren Quali. Darauf folgte, so die junge Frau heute, „das schlimmste Jahr in meinem Leben.“ Ein viertel Jahr lang schrieb sie eine Bewerbung nach der anderen, ohne Erfolg, bevor sie endgültig aufgab. „Ich habe sämtlichen Mut verloren und steckte in einem absoluten Tief“, beschreibt sie ihre Situation. „Wenn man jahrelang eingeredet kriegt, dass man nichts taugt, dann glaubt man das am Ende auch“, denkt sie heute.“ Ich habe mich immer schlecht und klein gefühlt“, erinnert sie sich an diese Zeit. Und so tat sie gar nichts mehr, außer sich selbst Vorwürfe zu machen dass sie „den Arsch nicht hochkriegt“.

„Man kommt mit dem Quali nicht weit, weil die Betriebe zu hohe Ansprüche haben“, stellte sie fest und ärgert sich noch heute: „Wenn man den Quali hat, heißt das doch nicht, dass man zu blöd oder faul ist.“

Letztlich verdankte sie es ihrer drei Jahre älteren Schwester, dass sie wieder aus ihrem Loch herausgefunden hat. „Die kam eines Tages und sagte, bevor du gar nichts machst, bewirb dich im Bayernkolleg.“ Die Schwester hat ihr plötzlich etwas zugetraut und auch kräftig geschoben. Heute sagt Manuela John. „Das Bayernkolleg ist bis jetzt das Beste in meinem Leben“. Hier erlebt sie Schule in einer Form, die sie bisher nicht kannte. „Wir werden wie erwachsenen Menschen behandelt und man wird auch nicht fertig gemacht, wenn man mal eine schlechte Note schreibt.“ Für einen geringen Kostenbeitrag geben Schüler Schülern Nachhilfe. Lernen macht ihr plötzlich Spaß, und die Sommerferien sind ihr jetzt zu lang. So etwas kannte die junge Frau bisher nicht. Man müsse schon dranbleiben, meint sie aber „es ist zu schaffen“. Außerdem denkt sie rückblickend: „In dem Jahr in dem ich zuhause war, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken.“ Heute will sich die Manuela John von niemanden mehr einreden lasse sie könne nichts. Sie hat ein klares Ziel, sie will ihr Abitur machen und dann vielleicht Jura studieren. Aber das überlegt sie sich noch, „viele sagen, das sei so trocken.“