Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Ein schöner Beruf, wenn’s kein Hobby ist

Familie May bewirtschaftet einen Bauernhof mit rund 80 Kühen und lädt ein, die Arbeit dort selbst zu erleben


SCHWEINFURT/OBERNDORF (ul) Es gibt sie nicht nur im Landkreis, auch die Stadt hat noch vier Landwirte. Auf der Gemarkung von Oberndorf bewirtschaftet die Familie May einen großen Hof mit rund 80 Kühen. „Kühe sind meine Leidenschaft“, sagt Kathrin May. Sie ist gelernte Technikerin für Landbau und teilt ihre Leidenschaft nicht nur mit ihrem Ehemann Sven, sondern auch mit ihren Eltern und den Kindern. Beide kennen ihre Kühe. „Das ist Sandy, die Hochzeitskuh“, stellt Sven eine der Kühe vor. Sandy ist eine Oberfränkin und die beiden haben sie zu ihrer Hochzeit als Kälbchen geschenkt bekommen. Mit den Kühen sei es wie mit anderen Tieren auch, man müsse halt den Kontakt pflegen, dann werden sie auch „bauernfreundlich“, erklärt er. Sven May ist gelernter Landmaschinenmechaniker und hat in den Hof eingeheiratet. Die beiden werden wohl einmal den Hof von Rudolf May übernehmen.
Der ist vor 20 Jahren mit seinen Tieren von der Hauptstraße in Oberndorf hinaus in die Flur gezogen. Hier in den Stallungen werden 60 bis 70 Melkkühe gehalten, dazu kommt noch ein Bulle, der die Kälbinnen besamen darf und die Kühe, die neu besamt werden sollen. Die werden nämlich, bevor sie wieder schwanger werden, auf „Wellnessurlaub geschickt“, so Sven May. Das heißt, sie werden zwei Monate lang nicht gemolken und dürfen auf die Weide.
Zwei Generationen arbeiten auf dem Hof und mit den Kühen. Die jüngste Mitarbeiterin und die dritte Generation ist die viereinhalb-jährige Emma, die schon kräftig mit anpackt. „Matthäus ist erst zwei, der kann das noch nicht so gut“, erklärt sie naseweis. Emma hat auch schon ihre eigene Kuh, Kuh Emma ist am selben Tag auf die Welt gekommen wie die Tochter von Sven und Kathrin. Und sie wird auch schon mal von ihrer Namensvetterin gemolken. „Die ist sehr geduldig“, schmunzelt Mutter Kathrin.
Vor fünf Jahren hat Kathrin May beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Ausbildung zur Erlebnisbäuerin absolviert. Sie wollte „was Eigenständiges haben“. Seitdem zeigt sie Gruppen von Kindern und auch mal Erwachsenen den „Lernort Bauernhof“. Am besten kennen sich die Kinder von Migranten aus, die Russen oder Türken, wo die Oma daheim noch eine oder zwei Kühe hat. „Die wissen Bescheid“, stellt Kathrin May fest. Die meisten Stadtkinder aber haben solche Erlebnisse auf dem Bauernhof bitter nötig. Da werde die Schwalbe im Stall schon mal mit einer Fledermaus verwechselt, erzählt die Erlebnisbäuerin aus ihren Erfahrungen. Emmas Kindergartengruppe war auch schon einmal auf dem Hof und Emma erzählt ganz begeistert: „Wir haben die Kühe gefüttert, Gras gemacht, gemolken und unsere eigene Butter gemacht, die haben wir dann mit oder ohne Kräuter aufs Brot geschmiert und gegessen.“ Ihr Vater wundert sich nur, was so Kinder alles wegessen können, wenn sie’s selbst gemacht haben.
„Unser Hof ist multikulturell“, erklärt Sven May. Da gibt es Schwarzbunt, Rotbunt und Fleckvieh und die typische Frankenrasse, das Gelbvieh. „Das ist das Drei-Nutzen-Rind“, erläutert der Landwirt, Fleisch- und Milchlieferant und Zugtier.“ Zwischen 1.500 und 2.000 Liter Milch produzieren die Kühe täglich, gemolken wird mit der Maschine, die Milch wird gesammelt, kommt in den Kühlbehälter und wird alle zwei Tage vom Milchverwerter abgeholt. Die Mays sind keine Selbstvermarkter „Dazu ist unser Betrieb zu groß“, erklärt Kathrin May. Aber groß muss er sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können, ergänzt ihr Mann, mit nur zehn Kühen kann man heute keinen wirtschaftlichen Betrieb mehr aufrechterhalten.
Er findet, Bauer ist ein schöner Beruf, „da ist man noch sein eigener Herr“. Und auch sein Schwiegervater Rudolf ist gerne Landwirt: „Ein schöner Beruf, wenn’s kein Hobby ist“, meint er. Das einzige, was ihn an seiner Tätigkeit stört, sind die ständig wachsenden Reglementierungen, vor allem durch die Europäische Union. Neben seiner Viehhaltung bewirtschaftet Rudolf May noch rund 100 Hektar Ackerland und hat 50 Hektar Wiesenland, auf dem das Futter für die eigenen Rinder wächst. Um seinen Hof braucht er sich wohl keine Sorgen zu machen, die nächste Generation sind ebenso begeisterte Landwirte wie er und auch die Enkel haben schon früh Freundschaft mit ihren Tieren geschlossen.