Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Mit Fridolin Beßler verstarb am 8.10.2011 eine faszinierende Persönlichkeit, nach langer schwerer Krankheit.

Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden.

Ursula Lux

Der Kelten-Kenner

Fridolin Beßler sieht Dinge, die andere nicht sehen

 

Frühgesch (2)ZEUZLEBEN (ul) „Für Geschichte habe ich mich schon als kleiner Kerl interessiert.“ Diesem Interesse blieb Fridolin Beßler bis heute treu und aus dem „kleinen Kerl“ wurde der bedeutendste Privatsammler vor- und frühgeschichtlicher Altertümer in Bayern.

Von Exkursionen, Vorträgen, Seminaren, Museumsbesuchen und aus vielen, vielen Bücher hat er sein Wissen. Zusätzlich kam dem Landwirt die sich verändernde Bearbeitung der Felder zu Hilfe. Als man von Pferdefuhrwerken auf Traktoren umstellte, wurde tiefer gepflügt und da kam so manches zu Tage“, erinnert er sich. Er hat sich für alles interessiert, keine noch so kleine Sache übersehen. Schnell war klar, dass die Gegend um Zeuzleben uraltes Siedlungsgebiet war. Von der Jungsteinzeit (5700 v. Chr.), über die Kelten, die Germanen, die Merowinger bis hin zur Besiedlung durch die Franken, aus jeder Periode besitzt er ein steinernes, tönernes oder bronzenes Zeugnis. Eine Drehmühle aus Vulkangestein von anderen achtlos auf die Seite gelegt, liegt jetzt in seinem Keller, sie stammt aus der Zeit um Christi Geburt. Daneben liegt ein Mahlstein, der fast 3.000 Jahre alt ist. In der Vitrine ein Fund aus der Keltenzeit, ein „Regenbogenschüsselchen“, eine der ersten Münzen in Mitteleuropa. Das Geldstück ist so groß wie ein Daumennagel und man muss in der Flur schon ganz genau hinschauen, um so etwas zu entdecken. Aber im Laufe der Jahre hat Beßler einen Blick für die Zeugnisse aus vergangener Zeit entwickelt. Seine Lieblingsbeschäftigung am Sonntagmorgen ist es durch die Flur zu wandern und eben genau hinzuschauen.

Frühgesch (10)Vor 30 Jahren schon hat er ein keltisches Flachgräberfeld auf der Gemarkungsgrenze nach Werneck entdeckt und dies auch dem Amt für Vor- und Frühgeschichte gemeldet. Geschehen ist dort aber erst etwas, als das Straßenbauamt mit dem Bau der Umgehungsstraße begann. „Ich hab gesehen, dass die da baggern und bin gleich hin“, erzählt der Sammler. Und das war gut so, denn direkt neben der Baggerschaufel ragte ein Skelettarm mit Armreifen aus dem Boden. „Der Baggerführer hatte das nicht gesehen“, wundert sich Beßler. Bis dahin waren schon 10 bis 15 Gräber zerstört und wichtige Funde im Aushub verschwunden. Beßler setzte alle Hebel in Bewegung, der Bau wurde gestoppt. Amüsieren kann er sich noch heute, wenn er an die „Sicherheitskonferenz“ am drauf folgenden Montag denkt. Er stand mit Bürgermeistern und Vertretern des Landesamtes für Denkmalschutz, sowie des Straßenbauamts auf dem keltischen Gräberfeld. Der Verantwortliche aus dem Straßenbauamt meinte süffisant, wo denn jetzt seine Gräber wären. Worauf hin Beßler ihn schockierte: „Schauen Sie mal nach unten“, sagte er „sie stehen auf einem Brustkorb“. Er lacht, „der hat nichts mehr gesagt.“

Das Gräberfeld war ergiebig, auch eine unversehrte Bronzenadel, mit wie Blütenblätter eingelegten Korallen fand man dort. Diese „Tuttulus-Nadel“ diente der Keltin als Kopfschmuck und weil es das erste Fundstück dieser Art war, das man datieren konnte, trägt es jetzt den Beinamen „Typ Zeuzlebensis“. „Da bin ich stolz drauf“, freut sich Beßler.

Manchmal, wenn er auf dem Boden nichts mehr sieht, fährt er nach Schwebheim und mietet sich ein Flugzeug. Dann wird von oben geschaut und photographiert, wobei Beßler auch hier sehr kreativ ist. Mit aufgeschlagenen Blätter dieser Zeitung markiert er alle Fundstellen auf einem Acker. Dann hat man von oben einen guten Überblick, wo einst vor 2.800 Jahren, die Häuser gestanden haben und auch ein Hügelgrab in der Nähe der Siedlung hat er so auf diesem Acker entdeckt.

Frühgesch (11)Der größte Fund aber machte Beßler auf dem eigenen Anwesen. Als er eine neue Halle bauen wollte, stieß er auf einen Friedhof aus der Merowingerzeit mit 75 Einzelgräbern. Darunter auch das einer Frau, die er liebevoll seine „Prinzessin“ nennt. Ihr Grab lag in 4,50 Meter Tiefe, und hatte einen Umfang von 3,50 auf fünf Metern. Sie lag auf einem vierrädrigen Wagen und hatte reiche Grabbeigaben. „Wunderbare Kämme, bei denen nicht ein Zinken fehlte“, ein Schmuckkästchen aus Bronze, in dem Kinderzähne lagen, Glaschalen, Tonkrüge, ein Pferdegeschirr und vieles mehr fand sich im Grab. Daneben gab es Gräber von Kriegern mit Waffen, einige davon wurden unter ihrem Reittier bestatten. Aber auch Gräber in denen nur Pferde, einmal mit einem Jagdhund lagen wurden gefunden. Über 20 Gräber befanden sich auf seinem Grundstück. Zwei Jahre lang hat das zuständige Amt hier ausgegraben erinnert sich Beßler. „da waren Typen da“, erinnert sich der glückliche Finder, „das war echt eine Bereicherung“.

Die Nachwehen des Funds waren weniger bereichernd. Jahrelang stritt sich Beßler mit den zuständigen Ämter herum. „Eigentlich gehört so ein Fund zur Hälfte dem Eigentümer des Grundstücks und zur andren Hälfte dem Finder“, erklärt er. Also hätte alles ihm gehören müssen, bis zum Oberlandesgericht ging er mit seiner Forderung. Am Ende musste aber erkennen, „dass man gegen den Staat nicht gewinnen kann.“ Der habe ihm so hohe Auflagen gemacht, dass er sich auf einen Vergleich einlassen musste. Beispielsweise hätte er eine Klimaanlage bauen müssen um die Fundstücke entsprechend aufzubewahren. Jetzt sind sie in Bad Windsheim und Bad Königshofen ausgestellt, „dort gibt es auch keine Klimaanlage“ stellt Beßler resigniert fest.

Trotzdem bekamen die Merwowinger, die hier begraben waren einen eigenen Gedenkstein von Beßler. Und an der Wand seiner Lagerhalle prangen ein Mann und eine Frau aus jener Zeit mit der Unterschrift: „Zeuzlebener Tracht um 500 nach Christus.