Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins…

Hamburger Impressionen

HH (11)Die U-Bahn fährt im ersten Stock, die S-Bahn dagegen unterirdisch. Die Altstadt ist eigentlich der neue, die Neustadt aber der alte Stadtbezirk. Die Abendpost erscheint am Morgen und die Morgenpost – man könnte es sich fast schon denken – am Abend.

Willkommen in der Freien und Hansestadt Hamburg. Willkommen am Tor zur Welt, einer der schönsten Städte Deutschlands, der Hans Albers mit seinem Lied „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins…“ ein unvergessenes musikalisches Denkmal setzte.

Hamburg ist eine Reise wert, nicht nur wegen seiner Sehenswürdigkeiten, sondern auch wegen seiner Kuriositäten, die so gar nicht zur kühlen nordischen Lebensart zu passen scheinen. Da steht ein überdimensionales Bismarck-Denkmal im Elb-Park mit dem Rücken zur Stadt; die Hamburger mochten den Reichkanzler nicht, denn wer will sich schon gerne als „Pfeffersack“ bezeichnen lassen. Da gingen bei der letzten Erneuerung die Fußgängerampeln aus, weshalb die Fußgänger nun mit den Autoampeln vorlieb nehmen müssen und eben zwei rote Lichter sehen, denn eine Gelbphase brauchen die Fußgänger nicht, meinte der Senat der Stadt.

Die „sündigste Meile der Welt“, erweist sich als gar nicht mehr so sündig. „Nur noch“ rund 2000 Damen sind hier unterwegs, und sie ist vor allem keine Meile, sondern nur 800 Meter lang. Dafür gibt es in einer der zahlreichen Einkaufspassagen „Ausverkauf im Freudenhaus“. Und wer nach Hamburg reist, sollte seine eigene Herrlichkeit mitbringen, denn in der Herrlichkeit der Hansestadt herrscht absolutes Halteverbot.

HH (2)Die Stadt in Blau (Wasser), Rot (Häuser) und Grün (auf jeden Einwohner kommen 2-3 Bäume) schützt ihre „weißen Beamten“, die Schwäne, und ihre Bäume. Auf über 40000 Quadratmetern kann man „trocken“ einkaufen, in den Passagen Geld oder noch mehr Geld lassen. Der größte Hafen Deutschlands ist ein Muss, egal ob man die Rundfahrt auf einer Barkasse oder einem Raddampfer macht. Wer den Abend nicht „sündig“ verbringen will, geht zum Spielbudenplatz oder fährt über den Hafen ins Musical. Eine Kinoleinwand so groß wie ein Fußballfeld, Theater und Konzerte sind andere Alternativen. Eines jedenfalls scheint es in Hamburg nicht zu geben: Langeweile.