Ursula Lux

Journalistin, Logotherapeutin & Theologin

Abschalten: Rat erlässt Resolution

Schwebheims Gemeinderat positioniert sich eindeutig zum Thema Kernkraft

AtomSCHWEBHEIM (ul) Eigentlich wollte der Gemeinderat nicht in eine Fachdiskussion einsteigen, angesichts der Brisanz des Themas ließ sich dies dann aber doch nicht ganz vermeiden. Hans Schwinger stellte einen Antrag an den Gemeinderat, eine Resolution gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verfassen.

Schwinger hatte genau die Berichterstattung dieser Zeitung verfolgt, die über die Entscheidungen des Stadtrates und des Kreistages berichtet hatte. „Bemerkenswert“ fand er dabei die Aussage von Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der, obwohl „persönlich anderer Meinung“, die Resolution zum Wohl der Stadt mit verabschiedete. Geärgert hat er sich dagegen über die Haltung von Landrat Harald Leitherer, der meinte, da könne man eh nichts tun, das habe man nicht zu entscheiden. Schwinger dagegen sieht den Landkreis eigentlich in der Verpflichtung. Allein die Frage der Endlagerung sei ungeklärter denn je, meint Schwinger, der das Zwischenlager in Grafenrheinfeld für eine „bessere Turnhalle“ hält. 

Der Gemeinderat nahm dieses Thema sehr ernst. Gut vorbereitet kam Volker Karb, der Informationen zum Strommix an alle Gemeinderäte austeilte. Danach, so gab er zu bedenken, käme noch 22 Prozent unseres Stromes aus der Kernenergie. Toni Götschl allerdings zweifelte diese Zahlen an, die würden auch oft je nach Auftraggebern „geschönt“, meinte er. Und Bürgermeister Hans Fischer erinnerte daran, dass Deutschland eine 40-prozentige Überproduktion von Elektrizität habe.

Die Kernenergie sei also leicht durch erneuerbare Energien zu ersetzen, schloss Richard Geiling und bemängelte, dass bei Überproduktion eher Windkraftanlagen ausgeschaltet würden. 1989 bezog Deutschland noch über die Hälfte seiner Energie aus Atomkraftwerken, erklärte Mario Söllner und meinte, wenn man jetzt bereits mehr als die Hälfte durch regenerative Energien ersetzt habe, dann da schaffe man die restlichen 20 Prozent wohl auch noch.

Karin Model fragte gezielt den zweiten Bürgermeister Toni Götschl, der als Arzt im St. Josefs-Krankenhaus arbeitet: „Stimmt es, dass die Krebsrate bei Kindern in unmittelbarer Umgebung eines Kernkraftwerks höher ist als anderswo?“ Die diesbezüglichen Studien hielt Götschl für nicht so gelungen, aber er räumte ein, dass „zumindest Hinweise da sind, dass dies so sein könnte“.

Rainer Ludwig brachte die Diskussion dann auf den Punkt. Es gehe nicht darum „im Kreis zu diskutieren“, meinte er. Was mit der Resolution angestoßen werden soll, sei richtig. Man müsse der Regierung zeigen, dass man sich nicht vor ihren Karren spannen lasse. Die sollten ihre alte Resolution zum Abschalten der Kernkraftwege einhalten und nicht wegen Gewinnmaximierungen umkippen. Es gebe sicher Bereiche, die noch nicht ohne Kernenergie auskämen, meinte auch Toni Götschl, dennoch sei es wichtig, davon wegzukommen. Auch er sprach sich für die Resolution aus, denn „ohne Druck von unten passiert gar nichts“.

Gegen die Stimmen von Peter Guse, Hedi Seifert und Volker Karb verabschiedete der Gemeinderat eine Resolution gegen die Verlängerung von Laufzeiten für Kernkraftwerke. Die ungeklärte Endlagerung, das Alter der AKW und die hemmende Wirkung auf den Ausbau regenerativer Energien wurden als Argumente ins Feld geführt. Der Rat fordert die verantwortlichen Politiker auf, „finanzielle Gewinne der Unternehmen und des Staates nicht über die Sicherheit der Menschen zu stellen“.

Dabei gab es zwei Ergänzungswünsche zur vorgelegten Resolution. Herbert Holzmann bat darum, nicht nur gegen etwas zu sein, sondern klar zu formulieren, dass der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert werden soll. Und Thomas Schäfer forderte einen Hinweis darauf, wie wichtig die Förderung beispielsweise von Windkraftanlagen gerade für den Industriestandort Schweinfurt sei.